Workshop I: Zielgruppen und Beteiligungsformen im organisierten Sport

Inhaltliche und organisatorische Koordination: TU Dortmund, Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB)

Zielstellung
Der dynamische demografische Wandel in Deutschland stellt den vereins- und verbandsorganisierten Sport vor grundlegende Herausforderungen. Zwar sind in den letzten Jahren die Beteiligungsquoten im Sportverein relativ konstant geblieben. Gleichwohl werden in den nächsten Jahren die absoluten Mitgliederzahlen speziell im Segment der Heranwachsenden sinken, wie Bestandsdaten einiger Landessportbünde sowie verschiedene Hochrechnungen erkennen lassen: So gehen z.B. Steinbach und Hartmann davon aus, dass der demografische Wandel bis zum Jahr 2030 bei den 7- bis 18-Jährigen eine Erosion um mehr als 1,5 Mio. Sportvereinsmitglieder (-25%) zur Folge haben könnte. Kompensationsmöglichkeiten zur Vermeidung dieses prognostizierten Mitgliederschwunds  und der teilweise erheblichen Nachwuchsprobleme in den Vereinen könnten in der Einbindung von Menschen mit Migrationshintergrund in den vereinsorganisierten Sport bestehen, die – so der DOSB (2009) – „für viele Vereine vermehrt zu einer bislang eher unausgeschöpften Ressource werden“. Verschiedene Förderprogramme versuchen, diesen Potenzialen einer gelingenden Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in die Sportvereine und – darüber vermittelt – in die Gesellschaft Rechnung zu tragen. Exemplarisch dafür steht das bundesweite DOSB-Programm „Integration durch Sport“, welches 2009 von der Arbeitsgruppe um Jürgen Baur evaluiert wurde. Voraussetzung für integrationsförderliche Wirkungen des organisierten Sports ist jedoch die Teilhabe am Sport.
In dem Workshop werden die unterschiedlichen Beteiligungsformen und Ansätze mit dem Medium „Sport“ für und mit der Zielgruppe (Menschen mit Migrationshintergrund) diskutiert.

Format
Im einführenden Vortrag von Ulrike Burrmann (TU Dortmund) wird folgenden Fragen nachgegangen:

  • Bevorzugen Zuwanderer andere Sportkontexte und/oder Sportarten als deutsche Altersgleiche?
  • Inwieweit hängt die Sportbeteiligung von Zuwanderern von kulturellen und sozioökonomischen Einflussfaktoren ab?

Es werden einige der zentralen Effekte skizziert, die bislang geprüft und identifiziert wurden. Dabei geht es u.a. um die Wirkungen von Bildung, ökonomischem und kulturellem Kapital in der Familie, Religion und Religiosität, Geschlechterrollenorientierungen und der sprachlichen Akkulturation auf die Wahrscheinlichkeit, dass ein/e Migrant/-in aktiv im Verein Sport treibt. Zur Beantwortung dieser Fragen wird zum einen auf Sekundäranalysen zweier repräsentativer Jugendsurveys (PISA 2000-E und DJI Jugendpanel 2003) und auf leitfadengestützte Interviews mit jugendlichen Migranten/-innen sowie deren Bezugspersonen zurückgegriffen. Wichtige Anhaltspunkte liefern aber auch die Ergebnisse bisheriger Evaluationsstudien, z.B. des Programms Integration durch Sport.
In einem Fazit werden erste Konsequenzen zur Entwicklung von zielorientierten Strategiekonzepten und Maßnahmenkatalogen abgeleitet.
Mögliche Fragestellungen, die im Anschluss mit den Teilnehmenden diskutiert werden könnten, sind:

  • Welche Zugangswege und ‑ansprachen sind erfolgsversprechend?
  • Welche Kriterien sind bei der Gestaltung von Sportangeboten (Inhalte und Rahmen-bedingungen) für die Zielgruppe zu beachten?
  • Welche außersportlichen (zusätzlichen) Angebote können zum Sportangebot angeboten werden?
  • Welche Netzwerkpartner wirken unterstützend?
  • Bedarf es einer besonderen Qualifizierung aller Beteiligten im Integrationsprozess?
  • Was sollte im Rahmen der öffentlichkeitswirksamen Maßnahmen beachtet werden?
  • Welche Charakteristika / Besonderheiten gibt es in den einzelnen Bundesländern? Welche Unterschiede gilt es in den Bundesländern zu beachten?

Referenten, Podiumsbesetzung, Moderation:

  • Moderation: Veronika Rücker, wissenschaftliche Referentin an der Führungsakademie, DOSB
  • Vortrag: Prof. Dr. Ulrike Burrmann, Universitätsprofessorin am Institut für Sport und Sportwissenschaft, Technische Universität Dortmund
  • Mitdiskutanten: Behzad Borhani, Vorstandsmitglied der Sportjugend Hessen, Jennifer Osthus, Teamleiterin LandesSportBund Niedersachsen, Udo Sialino, Referent Tischtennis-Verband Niedersachsen

Biografien

Moderatorin des Workshops: Veronika Rücker, Führungsakademie des Deutschen Olympischen Sportbundes, Köln

  • Diplom-Sportlehrerin, DSHS-Köln mit Schwerpunkt Sportverwaltung / Sportökonomie
  • bis 2007: wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sportökonomie und Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln
  • seit 2007: wissenschaftliche Referentin bei der Führungs-Akademie des DOSB
  • tätig im Bereich der Beratung und der Weiterbildung von Sportverbänden und -vereinen
  • Inhaltliche Schwerpunkte: Marketing, strategisches Management, Qualitätsmanagement, Sponsoring
  • bis 2011 ehrenamtlich tätig beim Deutschen Tennis Bund als Referentin für Freizeit- und Breitensport

Referentin: Prof. Dr. Ulrike Burrmann, Technische Universität Dortmund

  • Studium der Psychologie (Diplom) an der Universität Leipzig (1989-1994)
  • Promotionsstipendium für Psychologie an der Universität Potsdam (1994-1997)
  • Mehrmonatige Forschungsaufenthalte am King’ s College London School of Education (1996/1997)
  • Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sportwissenschaft im Arbeitsbereich Sportsoziologie/Sportanthropologie an der Universität Potsdam (1998-2007)
  • Vertretungsprofessur für Sportpädagogik und Sportsoziologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (2004-2006)
  • Kumulative Habilitation in der Sportwissenschaft, Thema: Sportbezogene Sozialisation von Jugendlichen in synchroner und diachroner Perspektive (2006)
  • Professur Sportpsychologie an der Technischen Universität Dortmund (seit 2007) mit den Forschungsschwerpunkten:
    Sportbezogene Sozialisation von Kindern und Jugendlichen; Sportvereinsforschung; Soziale Ungleichheiten im Sport
  • Vorstandsmitglied der Brandenburgischen Sportjugend (2002-2007)
  • Mitglied im LSB-Landesausschuss Breitensport (2002-2005)
  • Derzeit Sprecherin der dvs-Sektion Sportsoziologie

Mitdiskutanten

Behzad Borhani, Vorstandsmitglied der Sportjugend Hessen

  • FSJ Kultur am Stadttheater Gießen im Kinder- und Jugendtheater 2004 / 2005
  • Studium der Politikwissenschaft und der dt. Literaturwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen seit 2005
  • Assistent der Öffentlichkeitsarbeit am Stadttheater Gießen von 2005-2010
  • Leiter der Abteilung für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit seit 2010
  • Im Juniorteam der Sportjugend Hessen und der deutschen Sportjugend diverse Aktionen geplant durchgeführt
  • Mitglied im hessischen Landesausschuss für Sportentwicklung, Demographische Entwicklung und Integration
  • Internationale Erfahrung als Mitglied deutscher Delegationen im europäischen und nichteuropäischen Ausland
  • Auszeichnungen: Hessischer Ehrenamtspreis 2008
    Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2011

Jennifer Osthus, Teamleiterin LandesSportBund Niedersachsen

  • Magistra Artium: Sportwissenschaften und Betriebswirtschaftslehre (Universität Göttingen, Høgskolen i Telemark), Postgraduate Studium MEMOS „Executive Masters in Sports Organisation Management" (Universität Lyon)
  • Teamleiterin „Integration, Sport und Soziale Arbeit, Soziales“ – LandesSportBund Niedersachsen
  • Erarbeitung von Konzepten und Maßnahmen und strategische Weiterentwicklung der Aufgabenfelder
  • Leitung des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ in Niedersachsen
  • Organisation, Leitung, Moderation von Tagungen und Lehrgängen
  • Initiierung, Beratung und Begleitung von Integrationsaktivitäten bei Sportbünden und Fachverbänden

Udo Sialino, Referent Tischtennisverband Niedersachsen

  • Sportwissenschaftliches Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln mit Abschluss „Diplomsportlehrer“, Ü A-Lizenztrainer Deutscher Tischtennis-Bund
  • Ausbildung zum „Berater in Entwicklungsprozessen“ (LSB Niedersachsen)
  • Referent für Vereinsservice beim Tischtennis-Verband Niedersachsen (TTVN)
  • Organisation und Durchführung von Fortbildungsangeboten für Vereinsführungskräfte
  • Vereinsberatung
  • Konzeptionelle (Weiter-)Entwicklung des Breiten-, Gesundheits- und Schulsports im TTVN
  • Aktuelle Arbeitsschwerpunkte mit besonderem Bezug zur Fachtagung:
  • Information, Planung und Beratung der TTVN- Gliederungen zu Integrationsmaßnahmen
  • Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schule und (Tischtennis-) Verein
 
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HU zu Berlin
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